Historisches

Der PARITÄTISCHE Bremen präsentiert sich seit November 2007 mit einem neuen Corporate Design. Das offizielle Logo des Wohlfahrtsverbandes mit seinen Landesverbänden ist jetzt ein rotes Gleichheitszeichen in einem blauen Rahmen.

Dieses Signet symbolisiert den Grundgedanken der Parität. Es steht für die Gleichwertigkeit von Ungleichem, für das Recht auf gleichen Respekt und gleiche Chancen.

Die blaue Rautenstruktur des alten Verbandslogos war abgeleitet von der Abkürzung VWV, die auf die historische Bezeichnung ,Fünfter Wohlfahrtsverband’ Bezug nahm. Unter diesem Namen firmierte der Verband bei seiner Gründung im Jahr 1924, bis er 1932 in ,Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband’ umbenannt wurde.

Die Entwicklung des Verbandszeichens

1924

Verbandszeichen 1924

1989

Verbandszeichen 1989

2007

Verbandszeichen 2007

1924: Gründung des PARITÄTISCHEN

Der Paritätischen Wohlfahrtsverband entstand zur Zeit der Weimarer Republik. Zunächst erkannten nur die Krankenhäuser die „Notwendigkeit, sämtliche privaten gemeinnützigen Wohlfahrtseinrichtungen zusammenzufassen“, wenig später kamen auch andere soziale Einrichtungen dazu. Am 4. April 1924 wurde der PARITÄTISCHE als „5. Wohlfahrtsverband“ gegründet.

1924 - 1933: Die Arbeit des "5. Wohlfahrtsverbands" in Bremen

In Bremen schlossen sich vor allem Mütter- und Säuglingsheime, Kindergärten, Beratungsstellen und Stifte für „alte unbescholtene Frauen“ zusammen. Traditionelle Vereine ebenso wie fortschrittliche Organisationen wurden Mitglied. Eines der ersten Mitglieder wurde der Frauen- Erwerbs- und Ausbildungsverein. Dieser Verein hatte es sich zur Aufgabe gemacht, Mädchen und Frauen eine qualifizierte Berufsausbildung zu vermitteln. Agnes Heineken, die Direktorin der Sozialen Frauenschulen, wurde zur stellvertretenden Landesbeauftragten und damit zur Repräsentantin des Wohlfahrtsverbands.

Die Vereine traten dem „Fünften“ vor allem aus finanziellen Gründen bei. Schon damals gab es in Bremen ein aktives Sammlungswesen, die „Bremer Nothilfe“ und der „Bremer Kinderhilfe“. Die gesammelten Spenden wurden über die Wohlfahrtsverbände an die Einrichtungen weitergegeben, die damit ihre soziale Arbeit finanzierten. Der noch junge Verband wurde aber auch wohlfahrtspolitisch für seine Mitgliedsvereine tätig. Er beteiligte sich an Fürsorgeausschüssen und wirkte an Gesetzen für die Wohlfahrtspflege mit. Bis 1933 war die Zahl der Mitgliedsvereine bereits auf 30 angewachsen.

1934 -1945: Vorläufiges "Aus" des PARITÄTISCHEN in Bremen

1934 kam das vorläufige „Aus“ des PARITÄTISCHEN. Im Juni 1934 wurden der Verband aufgelöst. Die meisten Mitglieder wurden der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) angeschlossen. Ob die „Gleichschaltung“ erzwungen oder freiwillig war, läßt sich für viele Vereine heute nicht mehr sagen. Etliche wählten hohe nationalsozialistische Funktionäre in ihre Vorstände und lobten z.B. „das energische Eingreifen der NS-Regierung gegen die Arbeitslosigkeit“ durch Notstandsarbeiten. Die Arbeit von einigen Einrichtungen dagegen paßte nicht ins NS-Konzept, so die Tätigkeit des „Haus Reddersen“. Das Haus für geistig behinderte Jugendliche und Erwachsene sollte bereits 1937 in eine Heimstätte für „erbbiologisch einwandfreie Jugendliche“ umgewandelt werden. Dies konnten die Mitarbeiter bis zum Beginn des 2. Weltkrieges verhindern.1939 wurde „Haus Reddersen“ vom staatlichen Gesundheitsamt beschlagnahmt, die meisten Bewohner wurden in andere Einrichtungen verlegt und starben dort.

Nach dem 2.Weltkrieg: Gründung des Landesverbandes Bremen

Das Ende des Krieges wurde zum Neubeginn der bremischen Wohlfahrtspflege. Die Stadt war zu 60% zerstört. Die Versorgung mit Wohnraum und Nahrung war katastrophal. In dieser Situation kamen die früheren Mitglieder bereits 1946 wieder zusammen, um den PARITÄTISCHEN zu gründen. Die Gründung des „Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Landesverband Bremen e.V.“ erfolgte 1948.
Eine Hauptaufgabe wurde zunächst die Verteilung der „ausländischen Liebesgaben“, wie die Care-Pakete aus Übersee damals hießen.

Mit der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung der Bundesrepublik entstanden auch neue Arbeitsgebiete für die Wohlfahrtsverbände. „Hilfen für Ostzonen-Flüchtlinge“ werden angeboten, Mütterkuren werden organisiert.
Die zunehmende Berufstätigkeit der Mütter verlangt nach Kindergarten- und Hortplätzen für die sogenannten „Schlüsselkinder“. Zum Verband kommen jetzt viele Schullandheime, die der städtischen Jugend preiswerte Erholungsmöglichkeiten in einer „ruhigen, besinnlichen Atmosphäre“ bieten wollen.

Große, schlecht ausgestattete Kinderheime werden zu „familiennahen“ Heimgruppen umgestaltet. Mit Gründung der Bremer Heimstiftung im Jahr 1953 wandelte sich auch die Altenversorgung: Provisorische Unterkünfte für hilfebedürftige alte Menschen wurden Stück für Stück durch die Wiederherrichtung von Wohnanlagen für ältere Menschen ersetzt.

Der Landesverband Bremen ab den 60er Jahren

Die Studenten- und Protestbewegungen ab Ende der 60er Jahre bringen erneut Veränderungen für den PARITÄTISCHEN. Es entstehen neue Vereine, die sich nicht mehr nur „fürsorgerisch“ mit Kindern, älteren oder behinderten Menschen beschäftigen. Die ersten selbstorganisierten Kinderläden entstehen, Jugendwohngemeinschaften werden gegründet. Initiativen oder Elternvereine engagieren sich für behinderte, drogenabhängige, straffällige oder wohnungslose Menschen.

Auch neue soziale Angebote werden geschaffen. 1964 fahren zum ersten Mal die „Essen auf Rädern“ Autos aus, um warme Mahlzeiten zu älteren Menschen in die Wohnung bringen.

Ab 1975 werden Paritätische Dienstleistungszentren gegründet. Hier können ältere und behinderte Menschen Beratung sowie Unterstützung im Alltag und im Haushalt durch sogenannte NachbarschaftshelferInnen erhalten.
Zivildienstleistende bieten als „Mobiler Hilfsdienst“ kleine Reparaturdienste, Unterstützung im Haushalt oder bei Gartenarbeiten an.

Ab 1980: Der "bunte" Wohlfahrtsverband

Viele neue Vereine schließen sich im PARITÄTISCHEN zusammen, weil sie einen „modernen“, nicht konfessionell gebundenen Spitzenverband suchen. Arbeitslosen- und Fraueninitiativen, Eltern-Kind-Gruppen, Vereine für Kinder und Jugendliche kommen zum Verband.

Die Anzahl der Mitgliedsorganisationen steigt Ende der 80er Jahre auf 180 Vereine. In Facharbeitskreisen kommen die Mitglieder zusammen, um Erfahrungen und Informationen auszutauschen und fachliche Positionen zu entwickeln. Facharbeitskreise entstehen zum Beispiel zu Themen wie „Armut und Wohnen“, „Drogen“, „Sozialpsychiatrie“ oder „Arbeit und Beschäftigung“.

Zusammen mit seinen Mitgliedern nimmt der Verband zu vielen sozialpolitischen Themen Stellung. So engagiert er sich zum Beispiel für einen behindertengerechten öffentlichen Personennahverkehr oder im Bündnis der Selbsthilfegruppen, dem „Bremer Topf“. Selbsthilfekongresse und Selbsthilfetage werden organisiert, der Verband kämpft für die finanzielle Unterstützung der Selbsthilfegruppen.

1982 wird mit der „Individuellen Schwerbehinderten Betreuung“ ein ambulanter Hilfs- und Pflegedienst für schwerbehinderte Menschen gegründet.

PARITÄT heute

Eine wichtige Weichenstellung für den Paritätischen Bremen in den 90er Jahren war die Gründung der Paritätischen Gesellschaften.
Mit Einführung der Pflegeversicherung wurde es notwendig, die Dienstleistungsangebote des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes für ältere und behinderte Menschen neu zu strukturieren und auszubauen. Die Paritätischen Gesellschaften betreiben zum Beispiel Essen auf Rädern, Dienstleistungszentren, häusliche Pflege und Wohnen mit Service für ältere und behinderte Menschen.

Wichtige gesetzliche Veränderung war auch die Einführung eines Rechtsanspruchs auf einen Kindergartenplatz im Jahr 1996. Viele Kindergärten und eine Beratungsstelle für Kindertagseinrichtungen der Elternvereine wurden gegründet. Heute sind rund 50 der 200 Mitgliedsvereine in der Kindertagesbetreuung aktiv.
Sozial und wirtschaftlich: Diese beiden Worte beschreiben die aktuellen Aufgaben des Paritätischen als einem modernen Wohlfahrtsverband. Soziale Dienstleistungen müssen heute professionell und wirtschaftlich erbracht werden. Mitgliedsorganisationen brauchen die Beratung ihres Dachverbandes in organisatorischen, wirtschaftlichen und juristischen Fragen.

Ebenso wie vor 90 Jahren ist es aber auch heute notwendig, sich für arme und benachteiligte Menschen einzusetzen.

Bildarchiv

Frischluftbad der Kleinkinder im Mütter- und Säuglingsheim (um 1930)

Frischluftbad der Kleinkinder im Mütter- und Säuglingsheim (um 1930)

In einem Haus der Bremer Heimstiftung (um 1950)

In einem Haus der Bremer Heimstiftung (um 1950)

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Im Wohnzimmer eines Pflegenestes der Mitgliedsorganisation Hans-Wendt-Stiftung (1962)

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Proteste des Fahrdienstforums (um 1980)