Das Haus des PARITÄTISCHEN

Das Haus des Paritätischen Bremen

Mit dem neuen Haus des PARITÄTISCHEN Bremen erhalten Dienstleistungen für soziale Organisationen und für junge Menschen und ihre Familien, für ältere und behinderte Menschen eine neue Adresse.

Neun Vereine und Gesellschaften sind in das Verbandshaus eingezogen. Es sind neben der Geschäftsstelle des PARITÄTISCHEN Bremen auch die Geschäftsstellen der Paritätischen Tochtergesellschaften mit Pflege- und Betreuungsangeboten für ältere und behinderte Menschen, die EDV-Firma PariData GmbH sowie die Geschäftsstellen der Paritätischen Mitgliedsorganisationen AfJ  Kinder und Jugendhilfe Bremen e. V., Kriz - Bremer Zentrum für Jugend- und Erwachsenenhilfe e. V., DEVA - Institut für psychosoziale Arbeit und Prävention e. V.  sowie die gemeinnützige Gesellschaft Junge Stadt gGmbH.

Bei den Planungsarbeiten wurde die Entstehungsgeschichte der Ursprungsbebauung einbezogen. Auf dem Grundstück standen bis zur Zerstörung im 2. Weltkrieg ein Reihenhaus und eine größere Villa im Stil der „Bremer Häuser“: Beim Wiederaufbau 1950 wurde zwar die klare symmetrische Grundrissstruktur der alten Villa übernommen, es entstand allerdings ein typischer schlichter Nachkriegsbau.

Bei der Umbauplanung wurde Wert darauf gelegt, zum einen die vorhandene, solide Bausubstanz auszunutzen und zum anderen ein Haus zu schaffen, dass sich besser in das Bild der Nachbarbebauung einfügt. Für die äußere Gestaltung wurden daher in die Fassade „Außer der Schleifmühle“ deutlich größere Fenster eingebaut. Die Fassade wurde mit Gesimsen und gequaderten Wandflächen und einem passenden Farbanstrich aufgewertet. Diese neu geschaffenen Elemente korrespondieren gut mit der Nachbarbebauung, insbesondere mit der am Schleifmühlenweg gegenüberliegenden, denkmalgeschützten Gildemeister-Villa. Auch im Inneren des neuen Hauses wurde durch die vergrößerten Fenster eine bessere Belichtung der Arbeitsplätze erreicht. Im Hof konnte die Fassadenoptik erhalten bleiben. Nur der neugestaltete Konferenzbereich zeigt ein neues Erscheinungsbild.

Das Haus konnte durch den zusätzli­chen Einbau bewährter Dämmmaterialien und durch die dicken Wände des Bestandes die heutzutage geforderten energetischen Anforderungen voll erfüllen, wobei auch durch Verzicht auf den Einbau einer kompletten Be- und Entlüftungsanlage ein natür­liches Raumklima erhalten bleibt.

Das neue Haus orientiert sich an den Standards eines modernen Bürogebäudes und bietet Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen Barrierefreiheit. Ein Leit- und Orientierungssystem wurde hierfür zusätzlich konzipiert. Farbe und Licht sorgen für ein angenehmes Arbeitsklima und sollen sich positiv auf Besucherinnen und Besu­cher des Hauses auswirken. Mit der Schaffung eines separaten Konferenztraktes bietet sich auch für Mitglieder die Gelegenheit, Räume für eigene Veranstaltungen anzumieten.

Die Sumpfzypresse

Die Sumpfzypresse

Sumpfzypressen gehören zu den wenigen sommergrünen Nadelbäumen, die im Herbst ihr Laub abwerfen. Wie beispielsweise auch die Lärche oder der Mammutbaum, dessen jährliche Nadelmengen schon so manchen Nachbarschaftszwist wegen verstopfter Dachrinnen ausgelöst haben.

Dass der Exot überhaupt an der vielbefahrenen Kreuzung steht, hat er seiner Eigenschaft zu verdanken, dem Boden mehr Wasser zu entziehen als es zu speichern. So wurden vor etwa 150 bis 180 Jahren am Dobben eine Reihe Sumpfzypressen angepflanzt, als dort noch ein Entwässerungsgraben entlang lief. Das jetzt im Wechsel zum kahlen Wintergeäst befindliche Exemplar ist das letzte seiner Art an diesem Standort. Zwei etwa gleich alte Bäume stehen in den Wallanlagen.

Sumpfzypressen brauchen eigentlich, wie schon der Name sagt, sehr feuchten Untergrund und können bis zu einem Meter tief im Wasser stehen. Wie in den berühmten Everglades in Florida. Dann bilden sie auch sogenannte Atemknie aus, die dem vielverzweigten Gehölz ein bizarres Aussehen geben. Der einsame Vertreter in der Bahnhofsvorstadt braucht kein Atemknie, weil er an einem ausgesprochen trockenen Platz steht, umtost vom Verkehr auf vierspurigen Trassen.

Insofern ist es schon ein kleines Wunder, dass er überhaupt so lange durchgehalten hat und es offenbar noch eine Weile zu tun gedenkt. Zypressen sind halt zäh. In wasserarmen Regionen wie etwa auf den Kanaren hat man große Mühe, den Eindringling zugunsten von Arten mit für die Umwelt positivem Wasserhaushalt loszuwerden.

Bleibt noch zu klären, was die Sumpfzypresse mit der entschwundenen DDR zu tun hat, in der es bekanntlich immer nach verfeuerter Braunkohle stank: Im Altpleistozän vor etwa 18000 Jahren bedeckte die Art fast die gesamte nördliche Halbkugel, bis sie vom radikalen Klimawandel mit Eiszeit dahingerafft wurde. Sie lieferte den Hauptbestandteil für Braunkohle, die in der DDR in riesigen Tagebauen abgebaut wurde und die Energiebasis für Industrie und Haushalte war.

Im 17. Jahrhundert wurde die nahezu ausgestorbene Sumpfzypresse in Europa wieder eingeführt. Sie gehört immer noch zu den Sehenswürdigkeiten in berühmten Parks und botanischen Gärten. Samenhandlungen und Gärtnereien bieten etwa 50 verschiedene Sorten an.

Sumpfzypressen (taxodium distichum) können bis zu 700 Jahre alt werden und sind einhäusig. Das heißt, männliche und weibliche Blüten/Früchte/Samen hängen an einem Baum, wie sich bei näherem Betrachten auch am Schleifmühlenweg feststellen lässt.

© Copyright Bremer Tageszeitungen AG Ausgabe: Verdener Nachrichten Seite: 9 Datum: 17.11.2009

Der Standort Außer der Schleifmühle

Der Standort Außer der Schleifmühle

Am Dobben entstand 1459 eine Wassermühle, in der Metallgegenstände, vor allem Schwerter und Messer, geschliffen wurden. Ein holländischer Mühlenmeister wandelte sie 1686/89 in eine Walkmühle um. In unmittelbarer Nachbarschaft befanden sich ein Turm der Landwehr und eine Brücke über den Dobben. Zudem gab es im 18. Jahrhundert eine quadratische Schanze, die den Dobbenübergang schützen sollte. 1725 wurde die Wassermühle verkauft, der Name des Weges Außer der Schleifmühle blieb jedoch erhalten. Um 1820 gab es an der Straße etwa 10 kleine Wohnhäuser. In der Mitte des 19. Jahrhunderts nahm ihre Zahl zu. Seit den 1860 Jahren erfolgte die Bebauung mit Häusern vermögender Bremer. 1909 wurde das Grundstück Außer der Schleifmühle 59/61 von Friedrich Mißler gekauft.

Vor hundert Jahren

Vor hundert Jahren

Friedrich Mißler (1858 - 1922) war ein Bremer Kaufmann. Bekannt wurde er für seine Aktivitäten in der Auswanderervermittlung. Seine Firma entwickelte sich recht schnell zu einer der bedeutendsten Agenturen in Europa. Von 1885 bis 1935 vermittelte sie dem Norddeutschen Lloyd 1,6 Mio. Auswanderer.

Friedrich Mißler bezog 1910 das Wohnhaus außer der Schleifmühle 59/61 gemeinsam mit seiner Frau Dora und den beiden Schwestern seiner Frau.

Friedrich Mißler verstarb 1922 und vermachte sein gesamtes Vermögen einer Stiftung.

Dora Mißler lebte noch bis 1935 im Wohnhaus Außer der Schleifmühle.

1937 wurde das Haus an die Bremer Unfallstation für Betriebsverletzte verkauft und 1942 bei einem Luftangriff zerstört.

Nach dem Krieg wurde an dieser Stelle ein sachlicher Neubau errichtet, der bis zum Frühjahr 2008 von der Unfallstation genutzt wurde.

Im September 2008 kaufte der Paritätische Wohlfahrtsverband die Immobilie.