Jeder vierte Einwohner in Bremen lebt in Armut

Der PARITÄTISCHE informiert über regionale Armutsentwicklung im bundesweiten Armutsatlas

Der Bericht zeigt, dass Deutschland weiterhin ein sozial tief gespaltenes Land ist. Das Bundesland Bremen ist weiterhin negativer Spitzenreiter in der bundesweiten Armutsentwicklung. Die Bremer Quote liegt mit 24,8% (2015) sehr deutlich über der gesamtdeutschen Armutsgefährdungsquote von 15,7% (2015). „Im letzten Jahr konnten wir einen kleinen Rückgang der Armutsgefährdungsquote von 24,6% (2013) auf 24,1% (2014) verzeichnen. Der neuerliche Anstieg zeigt aber, dass in Bremen trotz positiver Wirtschaftsentwicklung jeder vierte Einwohner unterhalb der Armutsschwelle lebt“, sagt Wolfgang Luz, Vorstand des Paritätischen.

Die Statistiken des Paritätischen Gesamtverbandes - basierend auf Zahlen des Mikrozensus - geben einen Überblick, in welchen Bundesländern und Regionen besonders viele sozial Benachteiligte leben. Als arm gilt, wer weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens (Median) erreicht. Dazu zählen Menschen, die von Arbeitslosengeld II leben oder auch ein geringes Einkommen haben. 2015 lag diese Schwelle für einen Einpersonen-Haushalt bei 942 Euro, bei einer Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren bei 1.978 Euro.

Mit der Erhebungswelle 2015 bieten die Daten erstmals die Möglichkeit eines Zehnjahresvergleichs. Die Länder Bremen, Berlin und Nordrhein-Westfalen stechen im Zehnjahresvergleich als besonders problematisch heraus. Bremen stellt mit 24,8% seit Jahren das Schlusslicht im Länderranking. Bei den Kindern sind es sogar 29 Prozent. Das Ganze in einem Bundesland, das immerhin das zweithöchste Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in Deutschland erwirtschaftet.

Verglichen mit dem Bundesland Bayern (11,6%) ist die Armutsquote in Bremen mehr als doppelt so hoch. Die Kluft zwischen armen und reichen Regionen steigt weiterhin. Zum Beispiel hat auf der einen Seite München eine Armutsgefährdungsquote von nur 8,1%. Auf der anderen Seite liegt Bremerhaven mit 33,4%. Das sind 25,3 Prozentpunkte Differenz.

Der Paritätische beleuchtet in seinem Zahlenwerk auch besondere Risikogruppen. Das höchste Armutsrisiko von allen Haushalten zeigten danach mit 43,8 Prozent Alleinerziehende (in Bremen 56 %). Besondere Aufmerksamkeit sollte zudem nach Ansicht des Verbandes den Rentnerinnen und Rentnern gewidmet werden. Deren Armutsquote liegt bundesweit bei 15,9% und ist seit 2005 überproportional gewachsen. In Bremen hat sie sich seit 2005 fast verdoppelt (von 8,9% in 2005 auf 17,6 in 2015).

Der Armutsatlas wurde wie im Jahr zuvor gemeinsam mit anderen Verbänden wie zum Beispiel dem Kinderschutzbund oder dem Verband alleinerziehender Mütter und Väter verfasst. Diese Organisationen beschreiben sehr eindringlich die Lebenssituation von verschiedenen Zielgruppen etwa von Alleinerziehenden, von älteren Menschen, von wohnungslosen Menschen oder von Flüchtlingen. Hinzugekommen sind weitere Personengruppen wie behinderte Menschen und Themen wie Armut und Gesundheit.

Der Paritätische fordert ein umfassendes Maßnahmenbündel zur Armutsbekämpfung und benennt fünf große Felder der Armutsbekämpfung: Bildung, Wohnen, gute Arbeit, auskömmliche Alterssicherung und eine gute soziale Infrastruktur in den Kommunen. „Für Bremen bedeutet das: Anstrengungen zur Verbesserung der Jugendhilfe, zum Ausbau der Kindertagesbetreuung und von Ganztagsschulen, der sprachlichen Bildung und der Arbeitsmarktpolitik, der Wohnungsbaupolitik, der sozialen Stadtteilentwicklung sowie zur Integration von Flüchtlingen“, sagt Wolfgang Luz. Bundespolitisch sind eine deutliche Erhöhung der SGB II-Regelsätze und der Altersgrundsicherung erforderlich, um Armut wirksam vorzubeugen. Voraussetzung dazu sei ein rigoroser steuerpolitischer Kurswechsel, der große Vermögen und Einkommen stärker als bisher zur Finanzierung des Sozialstaats heranzieht.

Der PARITÄTISCHE hat bereits 1989, 1994 und im Jahr 2000 Armutsberichte vorgelegt. Der Armutsatlas wird nach 2007, 2011, 2012, 2013, 2015, 2016 nun zum siebten Mal vorgelegt und stellt eine neue Form dar, Armut sichtbar zu machen. Er basiert auf Daten der Statistischen Landesämter. Den Bericht, weitere Infos und eine detaillierte Suchfunktion nach Postleitzahlen finden Sie im Internet unter: www.der-paritaetische.de/armutsbericht

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