Trendwende in der Armutsentwicklung? Immer noch lebt fast jeder vierte Einwohner in Bremen in Armut

Der PARITÄTISCHE informiert über regionale Armutsentwicklung im bundesweiten Armutsatlas

Der sechste bundesweite Armutsatlas zeigt, dass Deutschland ein sozial tief gespaltenes Land ist. Obwohl die Armutsgefährdungsquote in Bremen von 24,6 % in Jahr 2013 auf 24,1% im Jahr 2014 sank, kann man keine Entwarnung geben. Immer noch lebt fast jeder vierte Einwohner in Bremen in Armut. Die Bremer Quote liegt weiterhin sehr deutlich über der gesamtdeutschen Armutsgefährdungsquote von 15,4% (2014). Das Land Bremen bleibt weiterhin das Bundesland mit der höchsten Armutsgefährdungsquote. „Ob man angesichts dieser Zahlen von einer Trendwende sprechen kann, wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen“, meint Wolfgang Luz, Vorstand des Paritätischen.

Die Statistiken des Paritätischen Gesamtverbandes - basierend auf Zahlen des Mikrozensus - geben einen Überblick, in welchen Bundesländern und Regionen besonders viele sozial Benachteiligte leben. Als arm gilt, wer weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens (Median) erreicht. Dazu zählen Menschen, die von Arbeitslosengeld II leben oder auch ein geringes Einkommen haben. 2014 lag diese Schwelle für einen Einpersonen-Haushalt bei 917 Euro, bei einer Familie mit zwei Kindern bei 1.926 Euro.

Verglichen mit dem Bundesland Baden-Württemberg (11,4) ist die Armutsquote in Bremen mehr als doppelt so hoch. Die Kluft zwischen armen und reichen Regionen wird tiefer. Zum Beispiel hat auf der einen Seite München eine Armutsgefährdungsquote von nur 8%. Auf der anderen Seite liegt Bremerhaven mit 32,5%.

Der Paritätische beleuchtet in seinem Zahlenwerk auch besondere Risikogruppen. Das höchste Armutsrisiko von allen Haushalten zeigten danach mit 41,9 Prozent Alleinerziehende (in Bremen 53,6%). Besondere Aufmerksamkeit sollte zudem nach Ansicht des Verbandes den Rentnerinnen und Rentnern gewidmet werden. Deren Armutsquote liegt bundesweit bei 15,6% und ist seit 2005 überproportional gewachsen. In Bremen hat sie sich seit 2006 mehr als verdoppelt (von 8,9% in 2006 auf 17,9 in 2014)

Der Armutsatlas wurde in diesem Jahr erstmalig gemeinsam mit anderen Verbänden wie dem Kinderschutzbund verfasst. Diese Organisationen beschreiben sehr eindringlich die Lebenssituation von verschiedenen Zielgruppen etwa von Alleinerziehenden, von älteren Menschen, von wohnungslosen Menschen oder von Flüchtlingen.

Der Paritätische fordert ein umfassendes Maßnahmenbündel zur Armutsbekämpfung. Neben einer deutlichen Erhöhung der Regelsätze in Hartz IV seien insbesondere Reformen des Familienlastenausgleichs und der Altersgrundsicherung erforderlich, um Armut wirksam vorzubeugen. Voraussetzung dazu sei ein rigoroser steuerpolitischer Kurswechsel, der große Vermögen und Einkommen stärker als bisher zur Finanzierung des Sozialstaats heranzieht.

Der PARITÄTISCHE hat bereits 1989, 1994 und im Jahr 2000 Armutsberichte vorgelegt. Der Armutsatlas wird nach 2007, 2011, 2012, 2013 und 2015 nun zum sechsten Mal vorgelegt und stellt eine neue Form dar, Armut sichtbar zu machen. Er basiert auf Daten der Statistischen Landesämter. Den Bericht, weitere Infos und eine detaillierte Suchfunktion nach Postleitzahlen finden Sie im Internet unter: www.der-paritaetische.de/armutsbericht

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