Die Wirtschaft wächst und dennoch steigt die Gefahr, in Armut zu geraten - besonders in Bremen

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1. Bremer Armutskonferenz bewertet Zahlen des Statistischen Bundesamtes

Am 19. November 2014 hat das Statistische Bundesamt die neuesten Zahlen über die Armutsgefährdung in Deutschland für das Jahr 2013 veröffentlicht. Danach ist die Gefahr, in Armut zu geraten, in Deutschland erneut angestiegen. Waren im Jahr 2006 noch insgesamt 14 Prozent der Bundesbürger durch Armut gefährdet, sind es im Jahr 2013 bereits 15,5 Prozent. Am stärksten betroffen ist wiederum das Bundesland Bremen. Hier war 2006 jede fünfte Bremerin und jeder fünfte Bremer durch Armut gefährdet (20,4 Prozent), 2013 ist es schon jede/r Vierte (24,6 Prozent). Unter allen 16 Bundesländern ist Bremen das Schlusslicht.

Einen ebenso deutlichen Anstieg gab es in der Stadt Bremen. Die Gefahr, in Armut zu geraten, stieg von 18,3 Prozent im Jahr 2006 auf 23 Prozent im Jahr 2013. Das ist einer der höchsten Anteile im Vergleich mit den 15 größten deutschen Städten. Lediglich in Leipzig (25,1 Prozent), in Dortmund (25 Prozent) und in Duisburg (24,3) ist der Anteil noch größer. Doch während sich die Armutsgefährdung in Leipzig, Dortmund und Duisburg im letzten Jahr leicht verringert hat, ist sie in der Stadt Bremen weiter gestiegen. Von den rund 546.000 Einwohnern im Jahr 2013 sind insgesamt 125.600 Bremerinnen und Bremer armutsgefährdet (23 Prozent).

Vor allem trifft es Kinder. Bei den minderjährigen Kindern sind 35,9 Prozent von Armut betroffen, bei den Jugendlichen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren sogar 42,4 Prozent, also mehr als zwei von fünf Jugendlichen. „Es ist ein Skandal, dass Kinder zu haben nach wie vor das größte Risiko ist, arm zu werden“, sagt Gerd Wenzel, der Sprecher der 1. Bremer Armutskonferenz. Das gelte besonders für alleinerziehende Einelternfamilien. In Bremen leben inzwischen 56,4 Prozent dieser Familien in Armut. Und diese Gruppe ist in den Jahren seit 2006 mit einem Anstieg um rund ein Drittel besonders stark gewachsen. Eine Alleinerziehende mit zwei Kindern muss im Monat mit 1.275 € oder weniger auskommen.

Die Ursache für ein Leben in Armut ist häufig Arbeitslosigkeit. Obwohl die Wirtschaft wächst, sind in Bremen auffallend viele Menschen arbeitslos, etliche davon seit längerer Zeit. Arbeitslose haben das größte Risiko, arm zu werden. In Bremen sind 67,9 Prozent aller Arbeitslosen armutsgefährdet. Und auch diese Gruppe ist deutlich gewachsen, im Jahr 2006 waren es noch 53,6 Prozent.

Weil die Armutsgefährdung in der Stadt Bremen weiter steigt, fordert Gerd Wenzel: „Das neue, breite Bündnis für sozialen Zusammenhalt darf jetzt nicht durch den beginnenden Bürgerschaftswahlkampf seine Arbeit einstellen.“ Bürgermeister Jens Böhrnsen und Sozialsenatorin Anja Stahmann hatten als Reaktion auf die 1. Bremer Armutskonferenz im Herbst 2013 das Bündnis für sozialen Zusammenhalt ins Leben gerufen. „Die dort geführten Debatten, und erste Maßnahmen zur Armutsprävention müssen jetzt mit der erforderlichen Priorität weitergeführt werden. Außerdem muss der Senat benennen, wieviel Finanzmittel zur Armutsprävention mobilisiert werden. Denn die Bremerinnen und Bremer wollen bei der kommenden Bürgerschaftswahl wissen, ob lediglich debattiert oder ob tatsächlich etwas getan wird – und das kostet auch Geld“, so Wenzel.

Ein Schwerpunkt zusätzlicher Maßnahmen muss vor allem die frühe Förderung der Kinder sein. Alle müssen die Chance bekommen gutes Deutsch zu lernen. Bei allen muss eine gesunde Ernährung gesichert werden. Alle müssen die Möglichkeit bekommen, am gemeinschaftlichen Leben im Sportverein, in der Musik, in Jugendgruppen teilzunehmen. Und Jugendliche müssen vor allem dabei unterstützt werden einen qualifizierten Schulabschluss zu machen, eine Ausbildung anzufangen und danach einen Arbeitsplatz zu finden.

Die „1 Bremer Armutskonferenz“ ist ein Bündnis aller Wohlfahrtsverbände, des DGB, der Arbeitnehmerkammer, der Kirchen, dem Bremer Rat für Integration und dem Kinderschutzbund. 

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