Hilfen für Jungen im Exil

Berater Volker Mörchen hat ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Jugendlichen.

Neues Angebot für traumatisierte Geflüchtete im Bremer Jungenbüro 

ln Bremen leben mehrere Tausend Kinder und Jugendliche, die mit oder ohne ihre Familien nach Deutschland geflohen sind. Viele Geflüchtete haben Gewalt erfahren müssen und brauchen Beratung und Unterstützung. Mit Hilfe der Aktion Mensch kann das Jungenbüro seine Beratungskapazitäten für Jungen und junge Männer zwischen 7 und 21 Jahren ausweiten.

„Der Bedarf ist riesig“, sagt Berater Volker Mörchen. Viele Jungen und junge Männer haben den Krieg hautnah miterlebt und Angehörige verloren. Anderen wurde im Herkunftsland oder auf der Flucht sexuelle oder körperliche Gewalt angetan. Betroffene Kinder und Jugendliche kämpfen mit Konzentrationsschwierigkeiten und massiven Schlafstörungen. Die Erinnerungen an schreckliche Erfahrungen stehen ihnen noch bildhaft vor Augen. Hinzu kommt, dass Jungen und junge Männer nur schwer über erlebte Gewalt, insbesondere sexuelle Gewalt sprechen können. 

„Deshalb brauchen diese jungen Neu-Bremer nicht nur ein Dach über dem Kopf und einen Schulplatz oder Ausbildungsplatz, sondern auch psychologische Betreuung“, sagt Mörchen, der gemeinsam mit seinem Kollegen Rolf Tiemann das Konzept für das Angebot entwickelt hat. 

Eine professionelle Begleitung kann dabei helfen, mit den Symptomen der Traumatisierung im Alltag umgehen zu lernen. Das Konzept des Jungenbüros nimmt auf sprachliche Barrieren Rücksicht. Es werden Übungen und Methoden eingesetzt, die auch ohne viele Worte funktionieren. Teil der Beratung ist es auch, den Jugendlichen zu erklären, was ein Trauma ist und dass sich manchmal auch erst viel später Ängste oder Alpträume entwickeln können. Darüber hinaus werden Dolmetscher eingesetzt, die Erfahrungen im Bereich der Traumaberatung mitbringen. 

Wichtig ist es auch, die Case-Manager im Amt für Soziale Dienste und die Sozialpädagogen in den Einrichtungen über das Angebot zu informieren und sie auch zu qualifizieren, wie sie mit traumatisierten Jugendlichen umgehen können. Durch die hohe Zahl der unbegleiteten männlichen Jugendlichen hat sich die Zielgruppe des Jungenbüros in den letzten Monaten deutlich vergrößert. Die Förderung durch die Aktion Mensch ist auf drei Jahre befristet und kann nicht verlängert werden. „Wir kamen schon vor dem Start des neuen Angebots regelmäßig an unsere Kapazitätsgrenzen und müssten eigentlich dringend einen weiteren Mitarbeiter einstellen. Aber das Geld dafür ist nicht da“, sagt Volker Mörchen. Derzeit teilen sich fünf pädagogisch-therapeutische Fachkräfte drei Vollzeitstellen in der Beratungsstelle.

Die häufigsten Themen in der einzigen Beratungsstelle für Jungen in Bremen sind sexualisierte Gewalt, Mobbing, Ausgrenzung und Erpressung, sowie körperliche und seelische Gewalt in der Familie und im öffentlichen Raum.

Kontakt: www.bremer-jungenbuero.de

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