Ambulante Alternativen für psychisch kranke Menschen

Für psychisch kranke Menschen ist eine sinnvolle Tagesstruktur wichtig. Die BWG macht ihren Klienten vielfältige Angebote.

40 Jahre Bremer Werkgemeinschaft

Die Bremer Werkgemeinschaft (BWG) feierte im August 2016 ihr 40-jähriges Jubiläum. Gegründet wurde der Verein 1976, um psychisch kranken Menschen ein weitgehend normales Leben außerhalb von Anstaltsmauern zu ermöglichen. Psychisch Kranke lebten damals oft über Jahrzehnte in Psychiatrieanstalten. Große Schlafsäle, keine Privatsphäre, Ruhigstellung mit Medikamenten waren die Regel. Was aus kleinen Anfängen mit viel ehrenamtlichem Engagement begann, ist heute eine professionell arbeitende soziale Organisation mit rund 100 Beschäftigten geworden. In den verschiedenen Wohn – Beratungs- und Beschäftigungsprojekten werden etwa 400 psychisch kranke und behinderte Menschen betreut. „Wir haben vielfältige ambulante Angebote für Menschen mit psychischen Erkrankungen“, sagt BWG-Geschäftsführerin Katrin Steengrafe.

Ambulante Arbeit heißt Betreuung in Wohngemeinschaften und Einzelwohnungen. Je nach Schwere des Krankheitsbildes werden die Klienten unterschiedlich intensiv betreut. Sie werden bei der Organisation ihres Alltags unterstützt und lernen, weitgehend selbständig zu leben. Für Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen gibt es eine Rund-um-die-Uhr- Betreuung im „Intensiv betreuten Wohnen“. Zusammen mit der Caritas werden psychisch kranke Mütter mit ihren Kindern betreut, wobei sich die BWG um die erwachsenen Frauen und die Caritas sich um die Kinder kümmert. Die BWG betreibt auch vier forensische Wohngruppen für psychisch erkrankte Straftäter.

Sehr wichtig für die Integration psychisch Kranker in die Gesellschaft sind tagesstrukturierende Maßnahmen, Arbeit und Beschäftigung. Der Verein betreibt das Café Klatsch in Bremen-Walle und das Klamottencafé in der Neustadt als Treffpunkte und Orte für sinnvolle Beschäftigung. Kreative künstlerische Arbeiten und Freizeitaktivitäten stehen im Vordergrund, in beiden Tagesstätten wird gekocht und es werden Mahlzeiten und Getränke zum Selbstkostenpreis angeboten. In der Tagesstätte West gibt es zudem eine Nähwerkstatt für Frauen, die hochwertige Patchworkarbeiten herstellen und eine Bücherwerkstatt, in der Bücher bibliographiert werden. Seit 2014 betreibt die BWG in einem Waller Parzellengebiet ein Gartenprojekt, den „Garten JEden“. Die Klienten nutzen gern dieses Beschäftigungsangebot, bei dem man sogar noch Früchte und Gemüse ernten kann.

Das neueste Angebot der BWG ist Ergowerk, eine ergotherapeutische Praxis, die sich auf die Bedarfe von psychisch kranken Menschen spezialisiert hat. Die Folgen verschiedener Krankheitsbilder wie Angststörungen oder Schizophrenie werden mit speziellen Behandlungsmethoden therapiert.

Die ambulante Betreuung von psychisch Kranken ist mittlerweile in Bremen ebenso wie in ganz Deutschland zur Regel geworden. Für Vereine wie die Bremer Werkgemeinschaft gibt es aber weiterhin viel zu tun. Inklusion ist das Stichwort. „Wir arbeiten daran, dass psychisch Kranke auch in den Stadtteilen nicht ausgegrenzt werden, sondern am normalen Leben teilhaben können. Wir begleiten zum Beispiel unsere Klienten bei Bedarf zu Kursen bei der Volkshochschule oder in Museen und ins Theater“, so Katrin Steengrafe.

 

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