Psychosoziale Beratung und Therapie für gehörlose Menschen

Beraterin Wilma Pannen im Gespräch mit einem gehörlosen Jungen

10 Jahre Hand zu Hand

Seit 10 Jahren bietet die Paritätische Mitgliedsorganisation „Hand zu Hand e.V.“ psychosoziale Beratung und Therapie für gehörlose und hörgeschädigte Menschen in Gebärdensprache an. Mit diesem Angebot wurde eine Beratungslücke geschlossen. „Für Fragen und Probleme rund um berufliche Themen gibt es Integrationsfachdienste. Aber gehörlose Menschen haben natürlich dieselben Konflikte wie hörende Menschen auch. Sie können allerdings die Angebote von Erziehungsberatungsstellen oder Therapeuten nicht oder nur mit Dolmetschern in Anspruch nehmen“, sagt Beraterin Wilma Pannen. Und diese Sprachbarriere ist für viele zu hoch.

Gegründet wurde „Hand zu Hand“ im Jahr 2004 von Wilma Pannen und ihrer Kollegin Jane Haardt. Beide Pädagoginnen und systemischen Therapeutinnen sind hörend. Das Team wird seit diesem Jahr ergänzt durch den gehörlosen Psychologen Ivo Weber. Beratungsthemen sind zum Beispiel Probleme in der Kindererziehung oder mit dem Partner, aber auch Gewalterfahrungen oder sexueller Missbrauch.

„Rund 90% aller gehörlosen Eltern haben hörende Kinder. Und gehörlose Kinder wachsen zu 90% bei hörenden Eltern auf“, so Pannen. Mit dem „Coda“-Trainingsprogramm gibt es ein spezielles Angebot für bilinguale Familien. „Coda“ steht für „Children of deaf adults“ und ist die Bezeichnung für hörende Kinder von gehörlosen Eltern. Das Trainingsprogramm besteht aus einem Kinder- und einem Elternkurs. In Elternkurs werden in Gebärdensprache Erziehungsfragen behandelt. Im Kinderkurs geht um die Stärkung des Selbstbewusstseins als Kind gehörloser Eltern. „Oft werden die Kinder in Alltagssituationen stellvertretend für ihre Eltern angesprochen und sollen Entscheidungen treffen, die nicht altersgemäß sind. Das führt zu Überforderungen“, sagt Pannen. Problematisch ist auch, dass viele hörende Eltern die Gebärdensprache nicht sehr gut beherrschen und in diesen Familien oft weniger Kommunikation stattfindet.

Um die Kommunikation in den Familien zu fördern und sich besser kennenzulernen, haben die MitarbeiterInnen ein Spiel entwickelt. „Hand im Spiel“ ist ein Kartenspiel, bei dem Fragen beantwortet werden müssen, um einen Piratenschatz zu finden. Für Hörende werden die Fragen vorgelesen, für Gehörlose kann auf den Karten ein QR-Code aktiviert werden, der zu einem Video in Gebärdensprache führt. Das Spiel kann über den Verein erworben werden.

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