Ethische Fallbesprechung hilft bei Konflikten in der Pflege

Freuen sich, die Neuauflage der Broschüre „Ethische Fallbesprechung“ nun druckfrisch verteilen zu können: (V.l.) Anja Tewes, Petra Scholz,  Alexander Künzel, Anja Stahmann und Bärbel Niemeyer-Schlenker. Foto: Martin Rospek

Bremer Heimstiftung und Hospiz Horn geben Broschüre heraus

Können Menschen aus Altersgründen oder wegen schwerer Krankheit nicht mehr selbst für sich sprechen, müssen andere ihren Willen vertreten. Doch wie findet man heraus, was der Betroffene wünscht, fürchtet oder ablehnt? Was ist zu tun, wenn der ältere Mensch Pflege und Essen ablehnt? Wenn er aggressiv ist? Wie können Entscheidungen in seinem Sinne getroffen werden, wie kann man aber auch Pflegekräfte im Umgang mit herausfordernden älteren Menschen unterstützen? Das Instrument der ..Ethischen Fallbesprechung" hilft, Antworten zu finden. 

„Es geht darum, sich in einen betroffenen Menschen hineinzuversetzen", erklärt Petra Scholz, Ethikberaterin der Bremer Heimstiftung, den Kern der Ethischen Fallbesprechung. Gemeinsam mit Anja Tewes, Koordinatorin des Hospiz Horn e.V. sowie Bärbel Niemeyer-Schlenker, Koordinatorin des Hospiz Bremen-Nord e.V. haben sie eine Broschüre zur „Ethischen Fallbesprechung“ entwickelt. Die Broschüre konnte mit Unterstützung von Bremens Sozialsenatorin Anja Stahmann realisiert werden konnte und ist als Wegweiser gedacht für Angehörige, Ärzte, Pflegepersonal und Betreuer.

 Im Fokus der Ethischen Fallbesprechung stehen Wunsch, Wille und Wohl der Person, um die es geht. ,,Anlass können zum Beispiel Fragen nach künstlicher Ernährung, nach Lösungen für den Pflegealltag bei herausforderndem Verhalten oder auch Sorgen bei Suizidgefahr sowie der Wunsch nach Einstellung lebenserhaltender Maßnahmen sein", zählt Petra Scholz auf. Um hier gemeinsam zu beraten und im Sinne des Betroffenen zu entscheiden, finden Menschen aus seinem Umfeld zu einem moderierten Gespräch zusammen - Angehörige oder Berufsbetreuer, enge Freunde genauso wie Fachleute aus Medizin, Pflege und Betreuung. Moderiert werden Ethische Fallbesprechungen dann von eigens ausgebildeten Moderatoren. Eine Fallbesprechung findet immer auf Anfrage statt. Die Ergebnisse werden in einem Protokoll festgehalten. Rund 40 Fallbesprechungen führt das Hospiz Horn mit seinen Moderatorinnen und Moderatoren durch, vorwiegend in den Häusern der Bremer Heimstiftung. Aber auch Angehörige oder ambulante Pflegedienste können diese Unterstützung beantragen.

Oft sind es vermeintliche Kleinigkeiten, die im Gespräch herausgefunden werden und die dabei helfen, eine Situation zu entlasten „Eine an Demenz erkrankte Bewohnerin schlug immer um sich, wenn sie gewaschen werden sollte“, erzählt Moderatorin Ilse Knapp. In der Fallbesprechung habe man überlegt, was man tun kann, damit sie nicht mehr schlagen muss. „Im Gespräch mit ihrem Sohn erzählte er, dass sie gern ihre alten Postkarten durchsieht – seitdem bekommt sie beim Waschen immer ihre Postkarten in die Hand und schlägt nicht mehr“, so Knapp.

Die Broschüre "Die Ethische Fallbesprechung. Eine Methode zum Umgang mit Konflikten im Gesundheitsbereich, in der Altenhilfe und in der Betreuung" steht zum Download bereit unter www.bremer-heimstiftung.de/pflege.html.

 

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