30 Jahre DEVA

Interkulturelle Kompetenzen für die Jugendhilfe

Gesundheitsfördernde Angebote vorwiegend für Migrantinnen – damit ging DEVA vor 30 Jahren an den Start. „Gerade türkische Frauen wurden im deutschen Gesundheitssystem oft nicht ausreichend oder auch falsch behandelt aufgrund von fehlenden sprachlichen oder kulturellen Verständigungsmöglichkeiten“, erinnert sich DEVA-Geschäftsführerin Susanne Sternberg an die Anfänge des Vereins. Mit Bewegungskursen wollte man präventiv wirken. Bald schon wurde die Nachfrage größer: nach Beratung in Erziehungsfragen, bei Problemen in der Familie. Und zunehmend wurden muttersprachliche Therapeutinnen oder Pädagogen eingesetzt.

Heute betreut der Verein vorwiegend Kinder, Jugendliche und Familien mit Migrationshintergrund mit einen multikulturellen Team. „Mit unserem Mitarbeiterteam können wir muttersprachliche Betreuung auf russisch, polnisch, türkisch, persisch, kurdisch, arabisch, bulgarisch und in weiteren Sprachen anbieten“, zählt Susanne Sternberg auf. Durch die Sprachkompetenzen erhalte man einen leichteren Zugang zu den Familien.

DEVA – das Wort stammt aus dem Arabischen und bedeutet „Heilung“ oder „Lösung“. Der Name passt gut zur Arbeit, findet Susanne Sternberg. Sozialpädagogische Familienhilfe, Erziehungsbeistandschaften, intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung, begleiteter Umgang – je nach Maßnahme haben die Pädagogen vorwiegend ein einzelnes Kind oder Jugendlichen oder die gesamte Familie im Fokus. Bei vielen Themen und Problemen unterscheidet sich die Arbeit in Migrantenfamilien nicht von der in deutschen Familien. „Aber Konflikte zwischen Eltern und Kindern haben natürlich auch unterschiedliche kulturelle Ausprägungen“, so Sternberg.

Im Jahr 2015 sammelte der Verein viele Erfahrungen in der Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen. Zusammen mit der Reisenden Werkschule Scholen betreute DEVA bis zu 350 Jugendliche in der Erstaufnahmestelle in der Steinsetzerstraße. Begleitung der Jugendlichen zu Ämtern, Freizeitprogramme, weiterführende Maßnahmen Richtung Schule und Wohnen – eine anspruchsvolle Aufgabe für einen relativ kleinen Verein. Deshalb habe man sich entschlossen, sich im Jahr 2016 wieder auf die Einzelarbeit mit Familien zu konzentrieren. Eine kleine Einrichtung für sechs bis zehn unbegleitete minderjährige Flüchtlinge ist allerdings noch in Planung.

Die interkulturellen Kompetenzen wolle man zukünftig auch für berufsbegleitende Qualifizierungen nutzen. Pädagogische Mitarbeiter führen jetzt schon workshops für andere Jugendhilfeeinrichtungen durch. Dies wolle man zukünftig intensivieren.

 

 

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