Empfängnisverhütungsmittel für Frauen in der Sozialhilfe kostenlos

pro familia übernimmt Beratung und Antragstellung

Frauen, die Sozialleistungen erhalten, können sich künftig die Kosten für ärztlich verordnete Verhütungsmittel erstatten lassen. Bis Ende 2015 galt diese Regelung nur für Frauen mit besonderen sozialen Problemlagen, zum Beispiel bei Drogenabhängigkeit oder für behinderte Frauen. Dies habe den Kreis der anspruchsberechtigten Frauen zu stark eingeschränkt, so Monika Börding, Geschäftsführerin von pro familia Bremen. Deshalb habe sich pro familia auch für die Erweiterung des Personenkreises eingesetzt

Demnächst sollen Verhütungsmittel auf Antrag generell für alle Frauen übernommen werden, die Sozialhilfe oder Hartz IV-Leistungen beziehen. Flüchtlingsfrauen, die Leistungen nach dem AsylBLG bekommen, sind ebenfalls anspruchsberechtigt. Wirksam wird diese Regelung erst, nachdem die Bürgerschaft einen neuen Haushalt verabschiedet hat.

Monika Börding ist überzeugt davon, dass Frauen mit geringen Einkommen diese Möglichkeit nutzen werden. „Frauen in Armutslebenslagen sparen bei der Verhütung, wenn das Geld zum Leben knapp wird", sagt Börding. Sie nähmen damit das Risiko einer ungewollten Schwangerschaft in Kauf. „Diese Situation ist paradox, denn die Kassen dürfen nach dem Gesetz die Kosten für den Schwangerschaftsabbruch übernehmen, aber nicht die Kosten für Verhütungsmittel", so Börding.

In Bremen leben rund 21.000 Frauen im Alter zwischen 20 und 50 Jahren, die „existenzsichernde Leistungen“ in Anspruch nehmen, und damit bei pro familia auch die Kostenübernahme für verordnete Empfängnisverhütungsmittel beantragen können. Für das Jahr 2016 geht man zunächst von 600 bis 700 Anträgen und Gesamtkosten von 60.000 bis 70.000 Euro aus. „Wenn der Bedarf größer ist, soll der Betrag aufgestockt werden“, so Börding.

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