Wilde Bühne: Wilhelm Kaisen Bürgerhilfe fördert engagiertes Theaterprojekt zur Sucht- und Gewaltprävention

Christian Weber, Senatspräsident und Vorsitzender der WKB, WKB-Kuratoriumsmitglied Eva Hockemeyer und Anke Teebken vom Paritätischen Bremen (stehend, 3. v.l.) zu Besuch beim Ensemble der „Wilden Bühne“.Foto: R.Wirtz

Engagiertes Theaterprojekt zur Sucht- und Gewaltprävention

„Es ist gut, dass es Euch gibt, das Geld ist hier sehr, sehr gut angelegt.“ Christian Weber, Präsident des Senats und Vorsitzender des Vorstands der Wilhelm Kaisen Bürgerhilfe (WKB), sitzt gemeinsam mit WKB-Kuratoriumsmitglied Eva Hockemeyer inmitten des Ensembles der Wilden Bühne im Volkshaus an der Hans-Böckler-Straße in Bremen. Beide sind gekommen, um sich ein Bild zu verschaffen vom Engagement der z. Z.t 18 ehemals drogenabhängigen Theaterleute, die bundesweit in Schulen, Jugendhäusern, Theatern und auf Fachveranstaltungen gastieren. Geleitet wird die Theatergruppe von den Theaterpädagoginnen Jana Köckeritz und Michaela Uhlemann-Lantow. Die Wilde Bühne ist eine Mitgliedsorganisation des Paritätischen Bremen, über den die WKB das couragierte Ensemble fördert.

"Helden im Netz - Computersucht und Suche nach Identität“, „Hungerstreik - Schönheitskult und Essstörungen“, „Wir gegen die Anderen - Fußball, Ultras und Rechtsextremismus“, „Spiel Dein Leben! - Sucht- und Gewaltprävention, Cybermobbing“: Das Repertoire der Wilden Bühne liest sich wie ein Inventar der oft tabuisierten Extreme unserer Gesellschaft. Eine Themenliste, die - vor allem, aber nicht nur - Jugendliche anspricht.

Derzeit arbeitet die Gruppe an einem neuen Theaterstück, das voraussichtlich im November Premiere haben wird. Es trägt den Titel „Vollrausch - Ottilie Hoffmann - Ein Kampf gegen Alkoholmissbrauch“. Das Projekt greift die Geschichte der Bremer Kaufmannstochter Ottilie Franziska Hoffmann (1835 - 1925) auf, die sich nicht nur in der damals noch jungen deutschen Frauenbewegung engagierte, sondern die vor allem im ausgehenden 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Kampf gegen die Exzesse des Alkoholkonsums aufnahm, der besonders unter den Hafenarbeitern grassierte und der häufig zu unbeschreiblichem Leid unter den Angehörigen und Familienmitgliedern führte.

„Ottilie Hoffmann und der Deutsche Frauenbund für alkoholfreie Kultur zählen zu unseren Gründungsmitgliedern“, sagt Anke Teebken vom Paritätischen Bremen. „Die zahlreichen alkoholfreien Speisehäuser, die von Ottilie Hoffmann und der Frauenbewegung damals initiiert wurden, gehören zu den Wurzeln des Paritätischen Wohlfahrtsverbands.“ Die Förderung der Arbeit der Wilden Bühne an diesem neuen Stück durch die WKB findet Teebken, auch aufgrund dieses speziellen Bezugs zu Bremen, besonders passend.

Mit ihrem neuen Stück greife die Theatergruppe ein sehr aktuelles Thema auf. „Kampftrinken“ sei nach wie vor bei Jugendlichen ein großes Thema. Über Alkohol, auch über damit verbundene Probleme zuhause, werde weder in den Familien noch öffentlich viel geredet. Jugendliche schämten sich oft, darüber zu sprechen. Mit der Geschichte der Ottilie Hoffmann habe das Theater bewusst einen historischen Stoff gewählt, um aus der geschichtlichen Distanz heraus die Mauer des Schweigens leichter zu durchbrechen.

 

<< Zurück zur Übersicht